Laudatio
gehalten von Erich Ergang, Vorstandsvorsitzender der TheaterGemeinde Berlin, am 10. Juli 2026 in der Deutschen Oper Berlin anlässlich der Daphne-Preisverleihung an Leroy Mokgatle
Guten Abend, sehr verehrtes Publikum, guten Abend liebe Mitglieder und Gäste der TheaterGemeinde Berlin. Mit großer Freude begrüße ich den Intendanten des Staatsballetts Berlin Christian Spuck und die Mitglieder seines Ensembles. Mein Name ist Erich Ergang und ich bin der Vorsitzende der TheaterGemeinde Berlin.
Wir freuen uns sehr, heute nach dieser äußerst beeindruckenden Aufführung und nach drei Jahren wieder den Daphne-Preis verleihen zu können. Mit der Daphne macht die TheaterGemeinde schon seit 1976 auf herausragende junge Darstellerinnen und Darsteller der Berliner Kulturszene aufmerksam. Die Daphne ist ein echter Publikumspreis, denn allein unsere Mitglieder ermitteln mit ihrer Stimme aus den Vorschlägen des Vorstandes die Preisträgerin bzw. den Preisträger. Diese Auszeichnung besteht aus einer Bronzeskulptur des Berliner Bildhauers Karl-Heinz Krause. Sie stellt die von Apollon, dem Gott der Musen, begehrte Nymphe Daphne dar. Seit dem 60. Jubiläum der TheaterGemeinde Berlin im Jahr 2023 ist der Preis zusätzlich mit 2.500 € dotiert.
Die Mitglieder der TheaterGemeinde haben in diesem Jahr mit großer Mehrheit die Tänzerin Leroy Mokgatle zur Daphne-Preis-Gewinnerin gewählt.
Liebe Leroy,
vor 25 Jahren in Südafrika geboren, einem Land, das selbst von einer tiefen Vielfalt und einer lebendigen Kunstszene voller Rhythmen, Farben und Kontrasten geprägt ist, merkten Sie, noch ganz jung, dass das Tanzen ihr Lebensinhalt werden wird.
Ihr Weg ist eine Inspiration. Als Kind fanden Sie „zufällig“ zum Tanzen als Antwort auf die Frage, was Sie nachmittags machen sollten bzw. weil Sie Ballett mit Cricket bzw. Basketball verwechselt hatten. Aus den Straßen Pretorias haben Sie sich dann mit unerschütterlicher Disziplin an die Weltspitze getanzt. Von internationalen Wettbewerben wie dem Prix de Lausanne, wo Sie 2016 sowohl den Preis als auch ein Stipendium holten, über Stationen bei Bèjart Ballet Lausanne ab 2019, wo Sie endlich Ihre großartigen Fähigkeiten auf Spitze einsetzen und auf der Bühne präsentieren durften. Das war nun Ihr erhoffter großer Durchbruch als Tänzerin.
Zum genau richtigen Zeitpunkt erfolgte 2022 der Wechsel zum Ballett Zürich unter der Leitung von Christian Spuck bis hin zu Ihrem heutigen Platz im Staatsballett Berlin schon ein Jahr später. Hier tanzen Sie ein breites klassisches bis zeitgenössisches Repertoire. Sie fühlten sich im Staatsballett Berlin auch sofort wohl. Ich zitiere: „Man kann mit Sicherheit sagen, dass ich endlich ein Zuhause gefunden habe“.
Jeder Ihrer bisherigen Schritte war ein Sieg über Grenzen, geographische, soziale und künstlerische. Hier in Berlin sind Sie schnell zur Sensation geworden: Ihre Technik ist makellos, Ihre Musikalität elektrisierend und Ihre Präsenz magnetisch. Sei es im „Schwanensee“ als kleiner Schwan, im „Dornröschen“ als Fee der Klugheit, in den präzisen, explosiven Bewegungen in William Forsythes „Blake Works I“, in dem energiegeladenen Pas de deux in Christian Spucks „Fearful Symmetries“ und natürlich im heutigen „Sommernachtstraum“ als zauberhafter, schelmisch-sinnlicher Puck.
Sie tanzen nicht nur Ballett, sondern – ich zitiere – „ich brauche es, so wie andere Leute ihren Kaffee am Morgen.“ Im Staatsballett können Sie sich nun ausschließlich auf weibliche Rollen konzentrieren. Diese wiederum verkörpern Sie mit einer Energie, die das Publikum einfach atemlos macht. Wenn Sie auf die Bühne kommen, wir Sie dort erleben dürfen, geschieht etwas, das sich kaum in Worte fassen lässt, denn es steht nicht nur eine Tänzerin vor uns, da begegnen wir einer großartigen Künstlerin, die jede Bewegung in Bedeutung verwandelt in einer technischen Präzision, die großartig ist und die im Tanz auf wunderbare Weise ergründet, was uns zum Menschen macht.
Hiermit verleihen wir der Balletttänzerin Leroy Mokgatle den Daphne-Preis 2026. Diese Auszeichnung ist nicht nur eine tiefe Verneigung vor einer jungen Künstlerin, sondern sie ist auch als Motivation gedacht, diesen vielversprechenden Weg engagiert, selbstbewusst und erfolgreich fortzuführen.
Herzlichen Glückwunsch!