Einfach mehr Kultur erleben. Mit dem Kulturservice der TheaterGemeinde Berlin

Kundenservice Mo bis Fr 10–16 Uhr

030 21 29 63 00

Daphne-Preis 2026 an Leroy Mokgatle

Leroy Mokgatle, Demi-Solotänzerin des Staatsballetts Berlin, ist die Daphne-Preisträgerin 2026 der TheaterGemeinde Berlin. Die Preisverleihung fand am 10.07.26 in der Deutschen Oper Berlin im Anschluss an die Ballettaufführung „Ein Mittsommernachtstraum“ statt.

Leroy Mokgatle ist seit der Spielzeit 2023/24 Mitglied im Ensemble des Staatsballetts Berlin und tanzt ein breites klassisches bis zeitgenössisches Repertoire von Schwanensee und Dornröschen, über Choreografien von William Forsythe bis hin zu Arbeiten von Marcos Morau.  Geboren 2001 in Südafrika, besuchte Leroy Mokgatle von 2007-2012 die South African Ballet Theatre School in Pretoria, anschließend die „art of motion“ Akademie in Bern und schließlich die European Ballett School in Amsterdam. 2016 erhielt sie den Prix de Lausanne. Ihren Durchbruch erlebte sie 2019 bei Béjart Ballet Lausanne. 2022 wechselte sie an das Ballett Zürich unter Christian Spuck. Seit der Spielzeit 2023/24 tanzt Leroy Mokgatle im Ensemble des Staatsballett Berlin.

Videos
Interview mit Leroy Mokgatle
Laudatio anlässlich der Daphne-Preisverleihung
Fotos der Preisverleihung



Im Vorfeld zur Preisverleihung hatten wir mit Leroy Mokgatle gesprochen

Dieses Interview wurde auf Englisch geführt. Sie haben hier die Möglichkeit, sich eine deutsche Übersetzung anzeigen zu lassen.

What or who inspired you to become a dancer?

I didn't really have a specific person who inspired me at the beginning. It was more that I had to choose an extracurricular activity, and while I knew the usual sports, I was curious about ballet, so I chose it without really knowing what it was.

Before that, I was always dancing at home, just in front of the TV, but I never thought I'd be good at it or take it seriously.

It was actually my teacher who saw something in me. She pushed me to continue, helped me complete my exams, and supported me in getting a scholarship to a state theater ballet school. So I think the inspiration really came through her belief in me.

Which role(s) would you absolutely like to dance?

I would absolutely love to dance Second Detail and In the Middle, Somewhat Elevated by William Forsythe.

Another big dream of mine is to dance Wings of Wax and Petit Mort by Jiří Kylián.

Bildtext
Approximate Sonata (2016) – William Forsythe, © Staatsballett Berlin, Yan Revazov

Which role(s) would you like to let others take on?

I have quite mixed feelings about classical ballet. I sometimes find it a bit constricting, especially in how movement and expression are expected to look a certain way, which doesn't always feel natural to me.

So those more traditional classical roles are probably something I'd rather leave to others who really connect with them.

That said, I do appreciate it. It keeps me strong and gives me a solid foundation, even if it's not where I feel most at home.

For which still living choreographers would you like to cook, and what would be served?

At the top of my head, I'd say I'd cook something like butter chicken with basmati rice for William Forsythe, something comforting and full of flavor.

But at the same time, I think I wouldn't want to put myself under pressure trying to impress in the kitchen and in the studio. So I'd probably keep it simple and just enjoy the moment.

What attracts you to the profession of a dancer, and what could you do without?

To be honest, what really attracted me to this profession is the opportunity to embody different characters on stage. I love being able to step into different roles and fully transform, especially with all the support around it, like makeup, hair, and costumes that really help bring everything to life.

That sense of transformation really excites me.

What I could do without, though, is starting very early in the morning or having to rehearse for long hours.

What ballet would you have liked to write yourself?

My ballet would be driven by a deep emotional core, something that can't really be explained, but can be felt.

I'd use different movement qualities to create shifting moods, and include a subtle thread of African spirituality throughout. The overall tone would be darker and more introspective.

I usually connect to storylines, but I think I'd want to explore something more abstract, leaving space for interpretation.

Bildtext
Wunderkammer © Staatsballett Berlin, Yan Revazov

Which ending of which ballet would you most like to rewrite, and what would it look like then?

That's a difficult one for me, because there isn't one specific ballet that comes to mind.

But in general, I think many classical ballets portray women as quite fragile or easily broken by men's actions, and that's something I'd be interested in rethinking.

I think it would be interesting to rewrite some of those endings in a way that gives female characters more agency and makes them feel more relatable.

At the same time, I wouldn't want to lose the sense of fantasy that those ballets carry, so it would be about finding a balance between the two.

Which spot in your apartment did you choose for the Daphne sculpture?

I've heard the sculpture is quite big, so I'll probably need a bigger apartment. Haha.

If you had to dance Daphne, who would be your preferred partner for Apollo?

I definitely have someone in mind, but I think I'm a bit too shy to say it out loud.

But it would have to be someone I really trust, someone I feel a strong connection with on stage, because I think that kind of partnership is essential for a role like that.


Laudatio

gehalten von Erich Ergang, Vorstandsvorsitzender der TheaterGemeinde Berlin, am 10. Juli 2026 in der Deutschen Oper Berlin anlässlich der Daphne-Preisverleihung an Leroy Mokgatle

Guten Abend, sehr verehrtes Publikum, guten Abend liebe Mitglieder und Gäste der TheaterGemeinde Berlin. Mit großer Freude begrüße ich den Intendanten des Staatsballetts Berlin Christian Spuck und die Mitglieder seines Ensembles. Mein Name ist Erich Ergang und ich bin der Vorsitzende der TheaterGemeinde Berlin.

Wir freuen uns sehr, heute nach dieser äußerst beeindruckenden Aufführung und nach drei Jahren wieder den Daphne-Preis verleihen zu können. Mit der Daphne macht die TheaterGemeinde schon seit 1976 auf herausragende junge Darstellerinnen und Darsteller der Berliner Kulturszene aufmerksam. Die Daphne ist ein echter Publikumspreis, denn allein unsere Mitglieder ermitteln mit ihrer Stimme aus den Vorschlägen des Vorstandes die Preisträgerin bzw. den Preisträger. Diese Auszeichnung besteht aus einer Bronzeskulptur des Berliner Bildhauers Karl-Heinz Krause. Sie stellt die von Apollon, dem Gott der Musen, begehrte Nymphe Daphne dar. Seit dem 60. Jubiläum der TheaterGemeinde Berlin im Jahr 2023 ist der Preis zusätzlich mit 2.500 € dotiert.

Die Mitglieder der TheaterGemeinde haben in diesem Jahr mit großer Mehrheit die Tänzerin Leroy Mokgatle zur Daphne-Preis-Gewinnerin gewählt.

Liebe Leroy,

vor 25 Jahren in Südafrika geboren, einem Land, das selbst von einer tiefen Vielfalt und einer lebendigen Kunstszene voller Rhythmen, Farben und Kontrasten geprägt ist, merkten Sie, noch ganz jung, dass das Tanzen ihr Lebensinhalt werden wird.

Ihr Weg ist eine Inspiration. Als Kind fanden Sie „zufällig“ zum Tanzen als Antwort auf die Frage, was Sie nachmittags machen sollten bzw. weil Sie Ballett mit Cricket bzw. Basketball verwechselt hatten. Aus den Straßen Pretorias haben Sie sich dann mit unerschütterlicher Disziplin an die Weltspitze getanzt. Von internationalen Wettbewerben wie dem Prix de Lausanne, wo Sie 2016 sowohl den Preis als auch ein Stipendium holten, über Stationen bei Bèjart Ballet Lausanne ab 2019, wo Sie endlich Ihre großartigen Fähigkeiten auf Spitze einsetzen und auf der Bühne präsentieren durften. Das war nun Ihr erhoffter großer Durchbruch als Tänzerin.

Zum genau richtigen Zeitpunkt erfolgte 2022 der Wechsel zum Ballett Zürich unter der Leitung von Christian Spuck bis hin zu Ihrem heutigen Platz im Staatsballett Berlin schon ein Jahr später. Hier tanzen Sie ein breites klassisches bis zeitgenössisches Repertoire. Sie fühlten sich im Staatsballett Berlin auch sofort wohl. Ich zitiere: „Man kann mit Sicherheit sagen, dass ich endlich ein Zuhause gefunden habe“.

Jeder Ihrer bisherigen Schritte war ein Sieg über Grenzen, geographische, soziale und künstlerische. Hier in Berlin sind Sie schnell zur Sensation geworden: Ihre Technik ist makellos, Ihre Musikalität elektrisierend und Ihre Präsenz magnetisch. Sei es im „Schwanensee“ als kleiner Schwan, im „Dornröschen“ als Fee der Klugheit, in den präzisen, explosiven Bewegungen in William Forsythes „Blake Works I“, in dem energiegeladenen Pas de deux in Christian Spucks „Fearful Symmetries“ und natürlich im heutigen „Sommernachtstraum“ als zauberhafter, schelmisch-sinnlicher Puck.

Sie tanzen nicht nur Ballett, sondern – ich zitiere – „ich brauche es, so wie andere Leute ihren Kaffee am Morgen.“ Im Staatsballett können Sie sich nun ausschließlich auf weibliche Rollen konzentrieren. Diese wiederum verkörpern Sie mit einer Energie, die das Publikum einfach atemlos macht. Wenn Sie auf die Bühne kommen, wir Sie dort erleben dürfen, geschieht etwas, das sich kaum in Worte fassen lässt, denn es steht nicht nur eine Tänzerin vor uns, da begegnen wir einer großartigen Künstlerin, die jede Bewegung in Bedeutung verwandelt in einer technischen Präzision, die großartig ist und die im Tanz auf wunderbare Weise ergründet, was uns zum Menschen macht.

Hiermit verleihen wir der Balletttänzerin Leroy Mokgatle den Daphne-Preis 2026. Diese Auszeichnung ist nicht nur eine tiefe Verneigung vor einer jungen Künstlerin, sondern sie ist auch als Motivation gedacht, diesen vielversprechenden Weg engagiert, selbstbewusst und erfolgreich fortzuführen.

Herzlichen Glückwunsch!


Fotos der Preisverleihung