Einfach mehr Kultur erleben. Mit dem Kulturservice der TheaterGemeinde Berlin

Kundenservice Mo bis Fr 10–16 Uhr

030 21 29 63 00

Foto: Kleines Theater

"Im Café Europa" – Aufführung des Jahres 2025

Die Mitglieder der TheaterGemeinde Berlin haben die Inszenierung »Im Café Europa« des Kleinen Theaters Berlin zur Aufführung des Jahres 2025 gewählt.

Ein literarisch-musikalischer Abend von Manfred Langner und Axel Weidemann.
Mit Barbara Felsenstein und Maximilian Nowka. Am Klavier: Tal Balshai

Die Inszenierung von Axel Weidemann feierte seine Premiere im Kleinen Theater am 24. Oktober 2025. Die Preisverleihung fand am Samstag, dem 6. Juni 2026 um 19.30 Uhr als einmalige Sondervorstellung im Renaissance Theater statt.

Den Publikumspreis „Aufführung des Jahres“ vergibt die TheaterGemeinde Berlin seit 1982. Bei dem Preis handelt es sich um eine künstlerisch gestaltete Urkunde im Plakatformat. Sie wird im klassischen Buchdruck (Letterpress) von der Druckerei Bölling gefertigt.

Laudatio zur Preisverleihung, gehalten von Martin Holländer

Liebe Frau Bares, lieber Herr Dr. Klier, lieber Herr Weidemann, liebe Mitglieder und Freunde der TheaterGemeinde Berlin, mein Name ist Martin Holländer und als Geschäftsführer der TheaterGemeinde Berlin begrüße ich Sie herzlich zu unserer Preisverleihung „Aufführung des Jahres“.

Seit 1982 wählen die Mitglieder der TheaterGemeinde Berlin jährlich eine Neuinszenierung zur Aufführung des Jahres. Die bisherigen Preisträger waren fast immer die großen Berliner Bühnen, die – was die öffentliche Aufmerksamkeit betrifft – meist im Vorteil sind. Dieses Mal war es uns ein Anliegen, bewusst eine kleine Bühne – zumindest mit einer Nominierung – zu ehren. Denn seit der Premiere von „Im Café Europa“ im letzten Oktober hatten uns immer wieder begeisterte Rückmeldungen unserer Mitglieder zu diesem Stück erreicht. Da auch wir selbst von der Qualität der Inszenierung überzeugt waren, haben wir ganz bewusst entschieden, diese Produktion für die Wahl der „Aufführung des Jahres“ zu nominieren. Dabei schien uns die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg des Kleinen Theaters eher gering. Die Abstimmung entwickelte sich dann zu unserer Überraschung zu einem hochspannenden Rennen, und zwar zwischen der Shakespearekomödie „Was ihr wollt“ des Berliner Ensembles mit über 650 Plätzen „Im Café Europa“ des Kleinen Theaters mit seinen 96 Plätzen. Damit haben Sie, die Mitglieder der TheaterGemeinde, entschieden: Die Inszenierung „Im Café Europa“ des Kleinen Theaters am Südwestkorso ist „Aufführung des Jahres 2025“ der TheaterGemeinde Berlin. Damit hat zum ersten Mal in der Geschichte unseres Preises ein kleines Theater diesen Publikumspreis gewonnen.

Foto: Martin Holländer (Geschäftsführer TGB)/Jubal Battisti


Nun hatten wir ein Problem: Wie könnte man in dem kleinen Haus am Südwestkorso eine Preisverleihung veranstalten? Sollte man etwa nur 90 Gäste einladen, sollte man mehrmals feiern, oder gar draußen feiern, inklusive Straßensperrung und Stoßgebeten für gutes Wetter? Nein, das haben wir rasch verworfen und hingegen beschlossen, die Preisverleihung in ein größeres Theater zu verlegen. Mehrere Bühnen kamen dabei in die engere Auswahl. Schließlich haben wir mit dem Renaissance Theater unseren Retter gefunden: Dieses schöne Haus, mit dem wir seit Jahrzehnten eng verbunden sind, hat unser Anliegen von Anfang an begrüßt, hat uns vernünftige Konditionen geboten und auch sonst hervorragend unterstützt. An dieser Stelle gilt unser herzlicher Dank dem gesamten Team des Renaissance Theaters, insbesondere dem Geschäftsführenden Direktor, Herrn Philipp, der Marketingchefin Frau Wudtke für die Organisation, Herrn Rohmann für die technische Einrichtung und natürlich auch dem Intendanten Guntbert Warns. Unser herzlicher Dank geht gleichzeitig an Karin Bares, die Künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin des Kleinen Theaters, ihr Team und an den Regisseur, Herrn Weidemann. Denn es ist ja nicht selbstverständlich, die vertraute Bühne zu verlassen. Alles musste für diese eine Sondervorstellung hergebracht und für die große Bühne eingerichtet werden. Das hat wunderbar geklappt, wie wir gerade erleben durften.

Nun zur Aufführung: Was hat Sie, liebe Mitglieder, mehrheitlich dazu bewogen, die Inszenierung „Im Café Europa“ zu küren? Ich denke, dass die Thematik der Aufführung ein gutes Stück dazu beigetragen hat. Es ist das passende Stück in schwieriger Zeit. Eine Zeit großer Unsicherheiten in einer ohnehin bedrohlichen Weltenlage. Eine Zeit in Sorge um Freiheit und Demokratie in einem aufgeheizten gesellschaftlichen Klima, in dem kaum noch ernsthafte Diskussionen möglich sind bzw. sich die gegnerischen Gruppen schon bald gar nicht mehr zuhören. Und damit verbunden ganz konkret: Das erschreckende Erstarken des Rechtspopulismus.

Die Autoren Manfred Langner und Axel Weidemann haben mit ihrem Stück einen stimmigen Abend zusammengestellt, mit klug ausgewählten Texten und Liedern aus der Zeit der Weimarer Republik. Es ist frappierend, wie aktuell die vor 100 Jahren entstandenen Lieder und Texte von Kurt Tucholsky, Friedrich Hollaender, Mascha Maléko, Erika Mann, Georg Kreisler und Kurt Weill in dieser Inszenierung wieder daherkommen. Allesamt Autorinnen und Autoren, die bereits damals einen Epochenbruch erlebt haben. Auch wenn man die Weimarer Republik nicht direkt mit heute vergleichen kann – so gibt es doch einige sehr beunruhigende Parallelen.

Trotz des ernsten Themas ist die Inszenierung „Im Café Europa“ ein leichter, kabarettistischer Abend voller Spielfreude, Ironie und versöhnlichem Humor, der am Ende sogar Mut macht und zu persönlichen Engagement inspiriert. Und darin liegt – dank der stimmigen Regie von Axel Weidemann – der Hauptgrund für seinen Erfolg. Die eingestreuten reinen Unterhaltungsnummern dienen dabei beileibe nicht nur der Auflockerung, sondern zeigen, wie die Menschen damals die Zerstreuung suchten, um die bedrohlichen Verhältnisse wenigstens für ein paar Stunden zu vergessen. Und das ist auch heute nicht viel anders.

Zum Erfolg maßgeblich beigetragen haben die zwei fantastischen Darsteller Barbara Felsenstein und Maximilian Nowka, die die Texte und Lieder kongenial zum Leben erwecken. Das ist nicht nur darstellerisch, sondern auch musikalisch ein großer Genuss, denn beide Künstler sind ja nicht nur Schauspieler, sondern auch ausgebildete Sänger. Begleitet werden sie souverän und einfühlsam von dem Pianisten, Komponisten und Arrangeur Tal Balshai. Wir wünschen dieser Produktion noch viele Aufführungen, nicht nur in Berlin, sondern idealerweise als Gastspiel auch in jenen Bundesländern, die möglicherweise schon bald vor einschneidenden politischen Veränderungen stehen.

Wir sind überzeugt: Das Kleine Theater am Südwestkorso und damit seine Geschäftsführerin und künstlerische Leiterin Karin Bares, hat diese Auszeichnung voll und ganz verdient. Denn Frau Bares führt Ihr kleines, aber feines Theater bereits seit 20 Jahren mit großem Erfolg. Eine besondere Bühne, die sich mit seinen zahllosen Erst- und Uraufführungen längst einen festen Platz in der Berliner Theaterlandschaft erspielt hat.

Vielen Dank an Frau Bares, an Axel Weidemann und an das hervorragende Ensemble.

Herzlichen Glückwunsch!

Martin Holländer
Geschäftsführer der TheaterGemeinde Berlin