Regie: Ildikó Gáspár
Ausstattung: Lili Izák
Musik: Flóra Lili Matisz
Mit Maren Eggert, Alexander Khuon, Mathilda Switala, Almut Zilcher, Jörg Pose, Florian Köhler, Lenz Moretti
Es ist vielleicht der berühmteste Gedankenstrich der Weltliteratur: Mitten in einem nüchtern erzählten Satz über einen Kriegsüberfall heißt es in Heinrich von Kleists Novelle Die Marquise von O.: „[Er] führte sie in den anderen Flügel des Palastes, wo sie auch völlig bewußtlos niedersank. Hier – traf er, da bald darauf ihre erschrockenen Frauen erschienen, Anstalten, einen Arzt zu rufen ...” Ein abrupter Schnitt – dort, wo eigentlich das Entscheidende stehen müsste. Der berühmte Gedankenstrich markiert nicht nur einen erzählerischen Bruch, sondern auch einen kulturellen. Die Vergewaltigung wird nicht ausgesprochen, sondern ausgeklammert. Das, was geschehen ist, bleibt unausgesprochen, nur angedeutet – und genau darin liegt die verstörende Kraft des Textes.