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Kino

EINAR SCHLEEF – Ich habe kein Deutschland gefunden

Zoo Palast

„EINAR SCHLEEF – Ich habe kein Deutschland gefunden“, Dokumentarfilm von Sandra Prechtel, 2026, 92 min
Mit: Einar Schleef, Wilhelm Schleef, Karl von Appen, Jutta Hoffmann, Jürgen Holtz, Gertrud Schleef, Marcel Reich-Ranicki, Martin Wuttke, Peter Iden, Rolf Hochhuth, Gerhard Ahrens, Elfriede Jelinek, Sigrid Löffler, Alfred Biolek
Porträt des Theatermachers und Gesamtkünstlers Einar Schleef. Der das Theater im Westen wie im Osten aus dem Wachkoma riss. Der sich bis zur Selbstzerstörung an der deutsch-deutschen Wirklichkeit abarbeitete und viel zu früh starb.

Eröffnungsfilm der neuen Kulturkino Season 2026/27
19. September 2026, 11 Uhr 
ZOO PALAST Berlin

Tickets buchbar ab 1. August 2026

Kulturkino-Gutscheine

Einar Schleef war Theatermacher, Bühnenbildner, Schriftsteller, Fotograf, Maler und Filmemacher. Ein Gesamtkünstler aus der Mitte Deutschlands, wo jeder Stein, jede Wegbiegung mit deutscher Geschichte getränkt ist. Der in keinem Deutschland ein Zuhause fand, und deshalb sein genauester Chronist ist.
Einar Schleef grub sich mit allen künstlerischen Mitteln in die deutsche Realität hinein, in die Abgründe der deutschen Geschichte, die er in die Gegenwart holte. Schleef hat diese Realität gefühlt, erlitten, geatmet, geschmeckt. Und sie aufgeschrieben, inszeniert, fotografiert, gemalt. Von Schleef lässt sich lernen, wer wir sind, wo wir herkommen, und darüber, was heute in diesem Land passiert. Geboren in der ostdeutschen Provinz, aufgewachsen in der Nachkriegs-DDR, erste Theatererfolge im Biotop Ost-Berlin, die auch gleich Skandale sind. Das Überleben in der Diktatur, Kompromisse, Verrat, Flucht. Das Nicht-Ankommen-Können im Westen, Depression, und nach langer Pause zurück an das Westdeutsche Theater, wo Schleef einschlägt wie ein Blitz. Das mühsame Hineinwachsen in das vereinte Deutschland, die Folgen dieser Vereinigung im Osten, Massenarbeitslosigkeit und das Erstarken der Rechten.
Alles verarbeitet Schleef in seinen Texten, Fotografien, Inszenierungen. „Die Tragödie ist die Welt, wie sie ist“, sagt Schleef. „Die Komödie ist die Erholung davon.“
Schleef konnte sich nicht erholen. Er starb 2001 mit 57 Jahren allein in einem Berliner Krankenhaus. Schleef verweigert sich, geprägt von früher Erfahrung von Zensur und Meinungsdiktat, jeder Ideologie, unterläuft die herrschende Meinung, nimmt keine Rücksicht auf Erfolg oder irgendeine Verwertungslogik. Schleef relativiert nichts. Er hat eine Deutlichkeit und Sicherheit, in dem was er denkt, die Halt bietet, ohne zu belehren.
Mit jeder Inszenierung sprengt Schleef das deutsche Sprechtheater, bringt deutsche Wirklichkeit als antike Tragödie, als Oratorium auf die Bühne. Für Schleef die einzige Art Theater zu machen, die davon erzählt, was los ist in diesem Land, vom Krieg, der noch stattfindet, von Fremdenhass und der Fremdheit zwischen Ost und West, die sich für Schleef nie aufgelöst hat. Schleefs großes Thema ist das Gefangensein, im eigenen Körper, in der eigenen Geschichte. Und der Versuch, zu entkommen. Ganz unmittelbar, wenn Schleef, seit der Kindheit mit einer schweren Sprachhemmung ringend, auf der Bühne in freier Rede das Stottern überwindet.
In seiner Person und seiner Kunst stecken eine Vision, eine Wut, eine Kraft und ein überraschender Humor, an denen wir uns in diesen Zeiten der Ohnmacht „hochpumpen können“. So würde Schleef es sagen. Wir sehen, hören, fühlen Schleef, den Körpermenschen, erleben seine Erfolge und sein Scheitern. Ein Stationendrama, das uns mit ihm, seinen Worten, Texten, Inszenierungen, Fotografien und Filmen auf eine Zeitreise nimmt, von seiner Kindheit in Sangerhausen in den 1950er Jahren bis zur Jahrtausendwende im vereinten Deutschland. Von den Anfängen als hochbegabter Jugendlicher bis zu seinem einsamen Tod in einem Berliner Krankenhaus.
Schleef muss wiederentdeckt werden. Weil er der Spiegel ist, in dem wir uns hier und heute begreifen. Weil er Worte und Bilder findet für diese besondere deutsche Form der Heimatlosigkeit und Entwurzelung. Weil er uns wachrüttelt und auf das stößt, was brodelt in dieser Gesellschaft.

Zoo Palast
Hardenbergstraße 29a
10623 Berlin

tägl. von 11–19 Uhr (14 Cent/Min. aus dem Festnetz, max. 42 Cent/ Min. aus dem Mobilfunknetz)

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