Publikumspreis Aufführung des Jahres 2014/15 für "Herbstsonate"

Die Mitglieder der TheaterGemeinde Berlin haben die Inszenierung "Herbstsonate" des Deutschen Theaters Berlin zur "Aufführung des Jahres" (Spielzeit 2014/15) gewählt. Die Preisverleihung fand am 16. April 2016 im Deutschen Theater Berlin statt.
Die Inszenierung Herbstsonate nach dem Film von Ingmar Berman (Regie: Jan Bosse) ist eine Koproduktion mit dem Schauspiel Stuttgart und feierte am 23. Januar 2015 die Berlin-Premiere. Es spielen Corinna Harfouch, Fritzi Haberlandt, Natalia Belitski, Jörg Pose und Bennet Schuster/Damian Fink.

Großes Schauspielertheater

Festveranstaltung zur Verleihung der Auszeichnung Aufführung des Jahres an Herbstsonate im Deutschen Theater

„Hört man denn nie auf, Mutter und Tochter zu sein?“ Die Frage stellt Eva, Pfarrersfrau und 'ewige' Tochter der so viel weltgewandteren, schöneren, leichter lebenden Charlotte. Sieben Jahre haben sie sich nicht gesehen, da kommt die reisende, mondäne Mutter – eine berühmte Pianistin  –  ins provinzielle Heim der sehr sesshaften, beinahe im Verborgenen lebenden Tochter.

1978 waren Ingrid Bergmann und Liv Ullman Mutter Charlotte und Tochter Eva - in Ingmar Bergmanns Film „Herbstsonate“. Auf der Bühne – nicht auf der Leinwand nun - sind es die beiden großartigen Schauspielerinnen Corinna Harfouch und Fritzi Haberlandt. Ihre „Herbstsonate“ (Inszenierung: Jan Bosse) wurde von den Mitgliedern der Theatergemeinde zur „Aufführung des Jahres 2014/15 gewählt“.

Als der Termin dieser „Aufführung des Jahres“ Anfang März im Spielplan angekündigt wurde, war das Deutsche Theater innerhalb weniger Tage ausverkauft. „Wir hätten  gut und gern jeden Platz drei Mal vergeben können“, sagte der Vorsitzende der TG, Peter Ehren, in seiner Laudatio.

Doch vor dem Lob noch einmal zur Inszenierung: Das Duell der zwei so verschiedenen Frauen findet in dem mehrstöckigen Pfarrhaus statt – zu Etagen aufeinandergestellte Containerkästen drehen sich und gewähren Einblicke in immer wieder neue Interieurs (Bühne: Moritz Müller).

Deutlich wird so: Es gibt zwar viel Platz im Pfarrhaus, aber all die großmustrig tapezierten Zimmerchen sind eng, und in ihnen wohnen neben den Lebenden die Toten (der mit vier Jahren ertrunkene Sohn Evas) und die Nicht-mehr-am-Leben-Teilnehmenden (Evas Schwester, die schwerkranke, der Sprache nicht mehr mächtigen Helena  - gespielt von Natalia Belitski, die mit ihrem von Krämpfen geschüttelten Körper besonders Nachts durch das Haus geistert). Auch Evas Ehemann Viktor, lebt, schreibt, trinkt in diesen kleinen Zimmerchen und schaut sich dort Dias des verstorbenen Sohns Erik an. Er ist viel leiser, viel zurückhaltender als die kämpfenden, schreienden, präsenten Frauen, die einander abwehren und doch voneinander nicht lassen können. „Mama, Mama“, ruft, bettelt, kreischt Eva immer wieder nach ihrer sich so sehr nach töchterlicher Liebe und Vergebung sehnenden Mutter – auch wenn sie stets mit all ihren Erfolgen bei jüngeren sowie älteren Männern prahlt und auch mit dem dazu nicht sehr begabten Schwiegersohn ein wenig flirten will. Jörg Pose spielt in beeindruckender Weise diesen traurig-freundlichen Viktor, der weiß, dass er nicht geliebt wird und doch unerschütterlich bleibt in seiner eigenen Liebe.

In diesem Sinne würdigte auch Peter Ehren den Abend als Ensembleleistung: „Dieser Aufführung wird natürlich durch Corinna Harfouch und Fritzi Haberlandt mit ihrer überragenden Bühnenpräsenz eine ganz besondere Strahlkraft verliehen. Trotzdem ist sie als Gesamtkunstwerk doch das Ergebnis einer  Zusammenarbeit vieler, in der alle Beteiligten für das Ergebnis Verantwortung tragen. Vom Regisseur Jan Bosse, der auch die an den Film angelehnte, aber doch andere Akzente setzende Theaterfassung schrieb, über die Schauspieler, bei denen auch Natalia Belitzki und Jörg Pose in ihren Rollen faszinierende Schauspielkunst dargeboten haben und Damian Fink als Kind sich nahtlos in diese hohe Niveau eingefügt hat, bis zum Bühnenbild und zur technischen Unterstützung.“

Ulrich Khuon, der Intendant des Deutschen Theater, bedankte sich bei den Mitgliedern der Theatergemeinde für die Auszeichnung. In seiner Rede bezeichnete er diese als einen Auftrag, auch weiterhin Theater zu machen für ein Publikum, das kontinuierlich über Jahre die Theater in Berlin besucht und kritisch begleitet.

Und das so beschriebene Publikum? Trinkt Sekt, deutet, diskutiert – und vor allem der weibliche Teil fragt sich: „Hört man denn nie auf, Mutter und Tochter zu sein?“

Renate Reimers

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