Die große Jubiläumsserie 1963-2013

1. Folge: Gründerjahre

Die wilden Zeiten der Avantgarde

Die frühen 60er Jahre waren theatergeschichtlich bewegte Zeiten - nicht nur, aber besonders in Berlin. Auf der einen Seite gab es das klassische Schauspielertheater mit Stars wie Elisabeth Bergner, Ernst Deutsch, Grete Mosheim oder Will Quadflieg. In der Mitte des Spektrums blühten die großen Klassikerinszenierung Kortners, Sellners, Barlogs oder Noeltes. Am linken Rand regten sich die Vorboten der 68er Revolte mit einer wahren Welle politischer Stücke von Hochhuth, Weiss, Kipphardt, Grass. Freie Gruppen wie die Schaubühne schossen mit proletarischer Agitprop-Ästhetik aus dem Boden. Im experimentellen Bereich erlebte Beckett eine Hochblüte an der Schiller-Theater-Werkstatt. Unter diesen Bedingungen wollten sich Theaterfreunde, die sich einer Besucherorganisation anschlossen, nicht vorschreiben lassen, welche Vorstellungen sie zu besuchen hatten. Da schlug die Stunde der Theatergemeinde-Idee.

1963: Gründung der TheaterGemeinde Berlin

Theatergemeinden hatte es in vielen deutschen Städten bis 1933 gegeben (siehe Buchtipp „Spielplan“-Magazin 12/12). Sie ermöglichten ihren Mitgliedern den Zugang zur vollen Breite des Theaterangebots zu ermäßigten Preisen. Nach 1945 erwachten sie allmählich wieder zum Leben. In Berlin am 7. Juni 1963. Unterstützung erhielt die Neugründung vom Bund der Theatergemeinden. Und die hatte sie auch nötig, denn in Berlin gab es seit 1948 wieder die Freie Volksbühne e.V., die nicht nur im Mai 1963 ihr neues Theater in der Schaperstraße eröffnet hatte, sondern vom Senat auch Platzzuschüsse bekam, sodass sie ihre Karten wesentlich billiger an ihre Mitglieder abgeben konnte als die TheaterGemeinde. Damit war die Mitgliedschaft in der TheaterGemeinde finanziell wenig attraktiv und die Zahl der Interessenten, die den Vorteil einer freien Stückwahl dem verpflichtenden Abonnement der Volksbühne grundsätzlich vorzogen, sackte in den ersten Jahren von anfangs 3400 auf 1600 ab.

1963-1966: Kampf um Gleichberechtigung

Der Vorstand der TheaterGemeinde Berlin beschloss, vor dem Verwaltungsgericht gegen die Ungleichbehandlung der beiden Besucherorganisationen zu klagen und erhielt nach über zweijährigem Verfahren am 8. Juni 1966 in zweiter Instanz Recht. Mit Beginn der Spielzeit 1966/67 konnte die TheaterGemeinde Berlin ihren geregelten Betrieb aufnehmen. Bereits eine Spielzeit später überschritt die Zahl der Mitglieder die 10.000er Marke.

1968: Eine moderne Besucherorganisation

Im Jahr 1968 stellte die TheaterGemeinde Berlin als eine der Pionierinnen auf diesem Sektor Mitgliederverwaltung und Kartenversand auf die hochmoderne EDV-Technik um und sparte sich so viel Handarbeit. Im Gegensatz zur Konkurrenz konnten die Mitglieder der TheaterGemeinde die Stücke, die sie sehen wollten, und die Termine nämlich frei wählen. Die Karten mussten auch nicht direkt vor der Vorstellung aus der Lostrommel gezogen werden, sondern wurden per Post zugestellt. Schließlich brauchte man nicht auf das Losglück zu hoffen, denn alle Mitglieder erhielten nach dem „rotierenden System“ reihum die besten Plätze. Die EDV machte es bei über 100.000 vermittelten Karten pro Jahr – Tendenz rasant steigend - möglich.

 

„abendspaß – Theaterwelt“

Wie heute wählten die Mitglieder der TheaterGemeinde Berlin Stücke und Termine aus einem Monatsmagazin aus, das damals den schönen Titel „abendspaß – Theaterwelt“ trug und nur wenige hektographierte Blätter dünn war. Die Mauer hatte Stadt und Theaterangebot halbiert. Die westberliner Theaterwelt bestand aus 21 Bühnen: 7 staatlichen und 14 privaten. Staatlich subventioniert waren die 1961 eröffnete Deutsche Oper, Schiller-Theater mit Werkstatt unter Barlog, Schlosspark-Theater, die 1963 eröffnete Freie Volksbühne, die Theater in der Akademie der Künste und der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Künste. Privat waren die beiden Kudamm-Bühnen, Renaissance-, Hebbel-, Hansa-, Forum- und Berliner Theater, Tribüne, Vaganten, Kammerspiele, Theater des Westens und Schaubühne. Hinzu kamen Konzertveranstalter, am prominentesten natürlich die Philharmonie, der „Zirkus Karajani“ an der Mauer. Auch sie wurde 1963 eröffnet. Es war offenbar ein guter Jahrgang für die Kultur in Berlin.

Boris Kehrmann

2. Folge: Lehrjahre

In den 70er Jahren hatten die großen Emanzipationsbewegungen der 68er die Mitte der Gesellschaft erreicht. Der „lange Marsch durch die Institutionen“ führte auch durch die Theater. Man spielte Klassiker. Aber man spielte sie nicht mehr „vom Blatt“. 1967 verkündete Peter Zadek: „Auf dem Plakat steht ‚Maß für Maß‘. Damit verbindet sich für den Zuschauer eine gewisse Erwartung. Die wird in dieser Inszenierung nicht erfüllt werden.“ Das war der Startschuss des „Regietheaters“.

1973: Die TheaterGemeinde unterstützt das progressive Kindertheater

Am wütendsten tobte der Kulturkampf um das Kindertheater. Seit 1966 entwickelten Volker Ludwig und Rainer Hachfeld im Rahmen des „Reichskabaretts“, einer Studentenbühne an der Uhlandstraße, ein emanzipatorisches Theater, in dem Kinder über ihre Rechte aufgeklärt und Eltern zum Nachdenken über Erziehungsmethoden angeregt wurden: das spätere GRIPS.
Eltern zum Nachdenken über Erziehungsmethoden angeregt wurden: das spätere GRIPS.
Die TheaterGemeinde Berlin war solchen Innovationen gegenüber offen und berief mit Eleonore Kramarz ab 1973 eine spezialisierte Kritikerin für Kinder- und Jugendtheater. Damit hatte sie die Nase nicht nur vor der Berliner Konkurrenz vorne, sondern wurde auf Tagungen europäischer Besucherorganisationen international als Vorbild hingestellt. 1977 gründete Kramarz einen „Gesprächskreis Kinder- und Jugendtheater“, dessen Karten die TheaterGemeinde bezahlte, um das Interesse an dem neuen Genre zu verbreiten und Verständnis aufzubauen.

Publikumsmagnet Osterspaß

Eine weitere Innovation der 70er Jahre war der Osterspaß. Der brachte jeden Ostersonntag halb Westberlin auf die Beine. Die TheaterGemeinde füllte Ostereier mit Gutscheinen oder Nieten und ließ sie in der Nacht auf Sonntag in der Stadt verstecken. Glückliche Finder konnten die Gutscheine auf dem großen Fest um oder in dem jährlich wechselnden Partnertheatern gegen Theaterkarten eintauschen. Diese Feste mit Kostproben aus laufenden Produktionen aller Bühnen, Blick hinter die Kulissen, Kostüm- und Requisiten-Versteigerungen, Talentwettbewerb und vielem mehr begannen um 11 Uhr und dauerten bis in den späten Nachmittag mit optional anschließendem Vorstellungsbesuch. Den Höhepunkt erreichte der Osterspaß 1983 auf vier Bühnen in und neben der Deutschen Oper, als 14.000 Besucher die Statik des Bornemann-Baus auf die Probe stellten. Der letzte Osterspaß stieg 1991 in und vor dem Deutschen Theater. Die Schumannstraße wurde weiträumig gesperrt, um die Besuchermassen zu fassen. Der Berliner Rundfunk schickte einen Übertragungswagen und berichtete live. Das Kempinski übernahm das Catering und Günther Jauch versteigerte Requisiten und Kostüme, die zahlreiche Theater für diesen Anlass gespendet hatten. Der Erlös ging an die Marie-Seebach-Stiftung, das berühmte Seniorenheim für Künstler in Weimar.

1973: Gesellschafterin des Renaissance-Theaters

Kaum zu glauben: Theaterkarten waren im Westteil der geteilten Stadt rar. Laut einer Statistik soll der Theaterbesuch 1960 des Bundesbürgers
liebste Freizeitbeschäftigung gewesen sein. 1997/98 rutschte er auf Platz 37. Um dem Kartennotstand zu begegnen, kaufte sich die TheaterGemeinde 1973 in das Renaissance-Theater ein und wurde Gesellschafterin der Neuen Theater-Betriebs GmbH. Vertraglich geregelt war, dass sich die TheaterGemeinde nicht in künstlerische Fragen einmische. Der Vorteil, den sie sich erhoffte, waren größere Kartenkontingente für ihre Mitglieder. In Oskar Kaufmanns schönem Theatersaal konnten ihre Mitglieder Elisabeth Bergner, Grete Mosheim, Friedel Schuster, Edith Scholwer, Maximilian Schell, Victor de Kowa, Inge Meysel, Heidemarie Hatheyer, Hanne Wieder, Götz George, Carl-Heinz Schroth, Ullrich Haupt und all die Großen des deutschsprachigen Theaters erleben. In den 80er Jahren verdiente sich Heribert Sasse hier seine Intendanten-Sporen. Seine Erfolge führten dazu, dass man ihm die Leitung der Staatlichen Schauspielbühnen übertrug. 2010 schied die TheaterGemeinde als Gesellschafterin einvernehmlich wieder aus.

1976: Apoll sucht Daphne

Auch die Idee, Nachwuchsförderpreise zu vergeben, war damals neu. 1976 lobte die TheaterGemeinde den Daphne-Preis aus. Der Name leitete sich von der Bronze-Statue her, die der glückliche Preisträger oder die Preisträgerin erhielten. Sie stammt von dem Berliner Bildhauer Karl-Heinz Krause und zeigt eine junge Frau, die Arme und Bein tänzerisch so hebt, dass sie eine Art Baumwipfel bilden. Dargestellt ist der Moment, in dem sich die Nymphe in einen Baum verwandelt. Wie ihr Verfolger Apoll, der Herr der Musen, einen Siebten Sinn für die Schönheit der Tänzerin hat, so spürte die TheaterGemeinde die bemerkenswertesten Bühnentalente der Stadt auf und machte im Rahmen einer öffentlichen Ehrung mit großer Resonanz auf sie aufmerksam. Anfangs wurde der Preis in unregelmäßigen Abständen vom Vorstand der TheaterGemeinde verliehen. 2004 wandelte er ihn in einen Publikumspreis um.
Seither können die Mitglieder aus Vorschlägen des Vorstandes den oder die PreisträgerIn wählen. Zu den Geehrten gehörten bisher u.a. Heribert Sasse, Sabine Sinjen, Daniel Morgenroth, Polina Semionova, Anna Prohaska ...

Boris Kehrmann

3. Folge: Entwicklungsjahre

Die 80er Jahre waren die Jahre der breiten Bürgerbewegungen. Im Westen wurde gegen Nato-Nachrüstungsbeschluss und Atomkraft demonstriert, im Osten führten Bürgerproteste zum Fall der Mauer. Auch auf dem Theater machte sich dieser Zeitgeist geltend. Die Zuschauer wollten nicht mehr passiv vor der Bühne sitzen, sondern einbezogen werden. Während die emanzipatorischen Mitmachtheater-Modelle aus dem Geist der 68er vom großen Publikum nur punktuell angenommen wurden, entwickelten sich im Zuge des „Anything goes“ der 80er Jahre eine Vielzahl neuer Formen der Publikums-Beteiligung. Auch hier hatte die TheaterGemeinde Berlin ihre Fühler früh am Puls der Zeit.

1982: Aufführung des Jahres

1982 lobte der Vorstand der TheaterGemeinde die „Aufführung des Jahres“ aus. Das Besondere daran war, dass es sich um einen Publikumspreis handelt. Die Theater-Fans ließen sich nicht mehr durch „Fachleute“ (Kritiker, Jury) bevormunden, sondern wählten selbst, was ihnen preiswürdig erschien. Fünf der acht zwischen 1982 und 1989 ausgezeichneten Aufführungen waren Musicals, darunter Stücke wie Peter Zadeks „Ghetto“ oder Volker Ludwigs „Linie 1“. Sie belegen, mit welchem Anspruch damals Unterhaltung gemacht wurde. Die festlichen Preisverleihungen im Anschluss an die ausgezeichneten Aufführungen wurden zu beliebten Anlässen, bei denen die Mitglieder der TheaterGemeinde den direkten Kontakt mit den umjubelten Stars suchten. Auch dies ein Zeichen der Zeit: Das Publikum drängte immer mehr hinter die Kulissen.

1983: Hinter den Kulissen - Arbeitskreise

Diesem Bedürfnis entsprach die TheaterGemeinde Berlin, indem sie Arbeitskreise gründete. Sie brachten interessierte Mitglieder über die lockeren Treffen bei den Preisverleihungen der Theater- Gemeinde hinaus zu intensiven Diskussionen mit Regisseuren, Bühnenbildnern, Choreographen, Darstellern, Dramaturgen und Kritikern zusammen. Hier konnten auch Kontroversen über Inszenierungen zwischen Machern und Publikum ausgetragen und manche Freundschaft der Mitglieder untereinander geknüpft werden. 1983 nahmen die Arbeitskreise Ballett und Musiktheater unter Leitung von Traute Grandke und Elke Hoffmeister ihre Arbeit auf, 1987 kam der Arbeitskreis Schauspiel hinzu. Diese Arbeitskreise sind noch heute aktiv.

1982: Die Junge TheaterGemeinde

Auch die Idee der heute so genannten „Education“-Arbeit entstand in diesen Jahren der Suche nach mehr und alternativer Publikums- Partizipation. Die TheaterGemeinde Berlin war eine ihrer Pionierinnen. Die 1982 gegründete „Junge TheaterGemeinde“ bot Mitgliedern bis zum 27. Lebensjahr Vor- und Nachbereitungen von Vorstellungsbesuchen, Gespräche mit Theaterleuten, Theaterführungen und vieles mehr an. 1984 beauftragte die Berliner Senatsverwaltung für Schulwesen die TheaterGemeinde zudem, das „Theater der Schulen“ zu betreuen. Zehn Jahre lang erhielten Berliner Schülerinnen und Schüler über die TheaterGemeinde verbilligte Schülerkarten.

1984: Über die Stadtgrenzen hinaus

1984 wurde die TheaterGemeinde Berlin auch über die Grenzen der noch geteilten Stadt hinaus aktiv indem sie organisatorisch und finanziell die Gründung einer TheaterGemeinde in Hamburg unterstützte. 1963 hatte sie selbst Unterstützung vom Bund der TheaterGemeinden erhalten. Nun gab sie ihr Know-how weiter. Die Hamburger TheaterGemeinde wuchs und gedieh, sodass sie bald auf eigenen Beinen stehen konnte und 2008 auch formal in die Selbständigkeit entlassen wurde.

Boris Kehrmann

4. Folge: Wanderjahre

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 erzwangen Zehntausende von Ostberlinern die Öffnung der Mauer, nachdem Politbüro-Mitglied Günter Schabowski gegen 19 Uhr in einer Pressekonferenz unbeschränkte Reisefreiheit für alle Bürger der DDR verkündet hatte. Ab dem 24. Dezember durften West-Berliner visafrei in die DDR reisen. Am 1. Juli 1990 trat die Währungsunion in Kraft. Am 3. Oktober trat die Deutsche Demokratische Republik der Bundesrepublik Deutschland bei. Plötzlich stand auch die TheaterGemeinde Berlin vor einer ganz neuen Situation.

1990: Die TheaterGemeinde öffnet sich nach Osten

Ihre Mitglieder konnten auf einmal ohne Mühe drei große Opernhäuser besuchen, statt bisher nur eines. Viele Theater mit großem Namen und großer Geschichte wurden im historischen Theaterdistrikt Mitte problemlos zugänglich. Auch das gesamte Musikleben, die Kleinkunst und die Alternative Szene hatte sich diesseits und jenseits der Mauer doppelt entwickelt: Zwei Städte in einer Stadt – welch ein Reichtum!

Die TheaterGemeinde Berlin breitete ihre Arme weit aus und hieß die neuen Bundesbürger willkommen. Sie eröffnete eine Geschäftsstelle Unter den Linden 41 und versandte ihr „Spielplan“-Monatsmagazin sowie die „Theater-Rundschau“ des Bundes der TheaterGemeinden längere Zeit kostenlos an 12.000 Interessenten aus dem Ostteil der Stadt und dem Umland. Die Hoffnung auf Mitgliederzuwächse dort erfüllte sich aber nur begrenzt. Viele Kultur-Fans erlebten ihre persönliche und finanzielle Zukunft in den ersten Jahren noch als zu unberechenbar, um sich an eine Besucherorganisation zu binden. Das ist bezeichnend für die Unsicherheit jener Umbruchszeit. Umso neugieriger schwärmten die alten und neuen Mitglieder der TheaterGemeinde aus, um das mehr als verdoppelte, aus völlig unterschiedlichen Traditionen gespeiste Kulturangebot der wieder vereinten Stadt für sich zu entdecken. Auch die Zusammenarbeit mit den aus westlicher Perspektive neuen Theatern und Veranstaltern gestaltete sich rasch reibungslos.

1994: Der Ballett-Jour fixe - Eine Erfolgsstory

Zu den neuen Kontakten und Möglichkeiten gehörte der Jour fixe des Balletts der Deutschen Staatsoper Berlin. Dessen Betriebsdirektorin Dr. Christiane Theobald trat 1993 an Traute Grandke und den rührigen Arbeitskreis Ballett der TheaterGemeinde Berlin mit der Idee heran. Die promovierte Musikwissenschaftlerin wollte im schönen Apollo-Saal der Staatsoper an die Gesprächskultur der Berliner Salons anknüpfen und dort ein breites, nicht nur an die TheaterGemeinde gebundenes Publikum mit regelmäßigen Lecture-Demonstrations und Gesprächen in die Geheimnisse der Ballett-Arbeit einweihen. Dazu sollten abwechselnd Tänzer, Choreographen, Choreologen, Ballettmeister, Dirigenten, Kostüm- und Maskenbildner, Physiotherapeuten, Korrepetitoren und andere Persönlichkeiten aus allen Bereichen des Betriebs eingeladen werden, um mal in praktischen Demonstrationen, mal eher theoretischen Erörterungen über die vielfältigsten Aspekte der Tanzukunst zu plaudern. Am 8. März 1994 feierte der Jour fixe in Zusammenarbeit mit der TheaterGemeinde Berlin Premiere. Schon 16 Jahre später konnte die stets lange im voraus ausverkaufte Reihe, die nach der Zusammenführung der drei unabhängigen Kompagnien 2004 als Jour fixe des Staatsballetts Berlin firmierte, ihre 50. Ausgabe feiern.


1995: Kinder in die Mittelloge – und die Polizei steht Spalier

Schließlich initiierte die Staatsoper gemeinsam mit der TheaterGemeinde die Reihe „Kinder in die Mittelloge“. Zweimal im Jahr sollten Besuchern unter 14 Jahren die besten Plätze vorbehalten bleiben. Erwachsene durften nur an den Seiten im 2. Rang sitzen, um den Hauptpersonen nicht die Sicht zu versperren.

Die Reihe startete am 21.10.1995 mit Mozarts „Zauberflöte“. Zur ersten Vorstellung lobte die TheaterGemeinde einen Malwettbewerb aus, um die Kinder anzuregen, sich kreativ mit dem Erlebten auseinanderzusetzen. Ein Achtjähriger reichte die Ansicht der Opernhausfassade ein, die zum Logo der ganzen Reihe wurde. Die Aufführungen selbst waren in ein umfrangreiches Rahmenprogramm eingepasst, bei dem die Kinder (darunter Waisen- und Flüchtlingskinder aus Bosnien) die Bühne stürmten, in die Tierkostüme schlüpfen, den Darstellern beim Schminken zusehen und die Bühnentechnik bestaunen durften. Später kamen Kinder-Ballett-Training, Singen und Ratespiele dazu. Die Sänger, zunächst skeptisch, waren hingerissen von der Atmosphäre. Anlässlich des Konzertes der Staatskapelle unter Sebastian Weigle im Sommer 1996 stand die Berliner Polizei sogar Spalier. Sie hielt den Berliner Stadtverkehr an, um den von einer Blaskapelle angeführten Zug der Knirpse sicher vom Kinderfest im Opern- zum Konzerthaus am Gendarmenmarkt zu geleiten.

Boris Kehrmann

5. Folge: Ins neue Jahrtausend

In den letzten Minuten des 31. Dezember 1999 feierte Berlin den Übertritt ins neue Millennium. Auch die TheaterGemeinde Berlin startete mit Elan in die neue Dekade, indem sie ihr Angebot überarbeitete und erweiterte. Bedürfnisse und Gewohnheiten des Publikums hatten sich im Laufe der Jahrzehnte gewandelt. Der Siegeszug der neuen Medien erschloss neue technische Möglichkeiten.

Mehr als Kartenvermittlung

Eine von ihren Mitgliedern rege genutzte Neuerung sind die Kulturpartnerschaften. Seit 2005 schloss und schließt die TheaterGemeinde Berlin kontinuierlich Kooperationsverträge mit namhaften Museen, anspruchsvollen Filmkunsttheatern und theaternahen Restaurants. Sie gewähren ihren Mitgliedern bei Vorlage des Mitgliedsausweises erhebliche Vergünstigungen. Das kommt gut an. Die Zahl der Kulturpartner hat sich seit Bestehen der Kooperationen bei ca. 60 eingependelt. Jeden August verschickt die TheaterGemeinde Berlin eine aktualisierte Partnerbroschüre an ihre Mitglieder.

Da die Ballett-Sonderveranstaltungsreihe Jour fixe ein überwältigender Erfolg war, fühlte sich die TheaterGemeinde Berlin ermuntert, das Modell der moderierten Werkstatt-Besuche auch auf die Sparten Oper und Schauspiel auszudehnen. Auf ihre Initiative hin wurden 2005 die Opernwerkstatt als moderierter Probenbesuch in Zusammenarbeit mit der Deutschen Oper Berlin und 2006 die Theaterarbeit als praktische Demonstration unterschiedlicher Theaterberufe in Zusammenarbeit mit dem Berliner Ensemble ins Leben gerufen. Diese Veranstaltungsreihen sind nicht auf Mitglieder der TheaterGemeinde Berlin beschränkt, sondern allgemein zugänglich und erfreuen sich regen Zuspruchs.

Mehr Information

2005 wurde das „Spielplan“-Monatsmagazin der TheaterGemeinde Berlin mit viel Aufwand von Grund auf neu konzipiert, übersichtlicher gestaltet und das Informationsangebot erweitert. Zu ausgewählten Stücken gibt es jetzt ergänzende Besprechungen. Klassik-Konzerte werden durch Vorberichte erschlossen. Jeden Monat wird auf eine Ausstellung mit Musik- oder Theaterbezug hingewiesen und ein einschlägiges Buch, eine DVD oder CD empfohlen. Alles natürlich auch online unter www.tg-berlin.de nachzulesen.

Internet-Portal

Das Online-Angebot hat die Bestell-Möglichkeiten vereinfacht und beschleunigt. Mit der Last-Minute-Funktion können Mitglieder nun auch kurzfristig Karten bestellen und dabei die Vorzugskonditionen der TheaterGemeinde Berlin nutzen. Mitgliedschaften lassen sich unkompliziert über Internet beantragen. Zudem ist das Portal der TheaterGemeinde Berlin der schnellste Weg, sich einen umfassenden unabhängigen Überblick über das aktuelle Berliner Kulturangebot zu verschaffen.

Sponsoring

Seit 2003 engagiert sich die TheaterGemeinde Berlin auch als Kultur-Sponsor. Als im Depot der Alten Nationalgalerie ein Porträt des bedeutenden Berliner Theatermannes August Wilhelm Iffland (1759-1814) wieder entdeckt wurde, das bis 1935 im Intendanz-Büro u.a. Gustaf Gründgens’ im Berliner Schauspielhaus hing, übernahm sie die Restaurierungskosten.

Den alle zwei Jahre stattfindenden International Dance Summit des Staatsballetts Berlin unterstützt die TheaterGemeinde Berlin seit seiner Gründung im Frühjahr 2006. Dort präsentieren internationale Kompagnien, Fachleute, Praktiker und Pädagogen eine Woche lang Veranstaltungen, Seminare, Vorträge und Lecture-Performances rund um den Tanz in dichter Folge. Ein umfangreiches Rahmenprogramm ermöglicht Ballettfans den Besuch von Ballettproben sowie die Teilnahme an Gesprächsrunden.

Auch zum Angebot der Langen Nacht der Opern und Theater trägt die TheaterGemeinde Berlin als einer der Hauptsponsoren bei. Die jährlich ausgerichtete Theater-Rallye entstand 2009 aus dem Zusammenschluss nahezu aller staatlicher Bühnen sowie vieler Privat- und Off-Theater. Während einer Nacht öffnen sie ihre Türen vor und hinter den Kulissen für das breite Publikum. Mit Shuttle-Bussen kann man sich kreuz und quer durch die Stadt fahren lassen und die Vielfalt des Berliner Theaterlebens gerade auch in den unscheinbarsten Nischen entdecken. Ebenfalls 2009 übernahm die TheaterGemeinde Berlin zehn Stuhlpatenschaften für die Komische Oper Berlin.

Mit den genannten Initiativen und Neuerungen hat sich die TheaterGemeinde Berlin ein junges, aktives Profil gegeben. Dass sie damit zu einer zeitgemäßen Besucherorganisation wurde, beweisen ihre wachsenden Mitgliederzahlen.

Boris Kehrmann

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