Veranstaltungstipp

Call me Queen

Ballhaus Naunynstraße

Auf Lulus Bauch steht in goldenen Buchstaben „Call me Queen“. Schön und gut. Aber was soll das heißen? Nenn mich Königin? Nein, korrigiert die ambitionierte Straßenmusikerin: „Ruf mich an, Königin!“ Denn das ist ihr Plan: die Königin von England auf sich aufmerksam zu machen, kraft ihrer gottgegebenen Reize – und dann den Prinzen Harry zu heiraten! Den zarten Hinweis ihrer Freundin Lila, dass im „Call me Queen“-Aufruf aber das Komma fehle, kontert Lulu aus: „Der Bauchnabel ist das Komma“.

Von schnoddrigem Witz und treffsicheren Dialogen lebt das Stück „Call me Queen“, das Thandi Sebe als Autorin, Regisseurin und Schauspielerin am Ballhaus Naunynstraße auf die Bühne gebracht hat. Zusammen mit Victoire Laly erzählt sie die Geschichte von zwei jungen schwarzen Frauen in Berlin-Kreuzberg, die sich in mehr oder weniger liebevollen Zankereien, melancholischen Träumen und wütenden Kontern des vorbeiflanierenden Alltagsrassismus verlieren. „Dunkelhäutig? Im Vergleich zu wem denn bitteschön? Im Vergleich zu Dir ist Omas Porzellangeschirr dunkel!“

Auf einer kleinen Straßenpflaster-Insel vor abblätternder Plakatwand (Ausstattung: Marian Nketiah) sinnieren die beiden über Herkunft und Wurzeln, über das Aufwachsen mit Bibi-Blocksberg-Kassetten, das Faible für Eierköpfe und das Recht auf Traurigkeit.

Nach „Jung, giftig und schwarz“ ist es das zweite Stück, das Thandi Sebe am Ballhaus Naunynstraße inszeniert. Begonnen hat sie dort als Regiehospitantin, was mal wieder beweist, welche Talent-Entdeckungen hier gemacht und begleitet werden. Sebes Straßeneckenballade ist klug beobachtet und berührend. Weil sie vermittelt, wie beschwerlich diese Suche nach afrodeutscher Identität noch immer ist. Trotz Vorbildern wie der 1744 geborenen Prinzessin Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz, die es zur Queen von Großbritannien brachte. Und das als Schwarze. Von den Portraits, die sie als Weiße zeigen, sollte sich niemand blenden lassen. Wäre ja nicht die erste Übermalung in der Geschichte…

Kartenbestellung: https://www.tg-berlin.de/nc/tickets/ticketauswahl/insz/F0434CBC-6065-E711-80E1-001C42C40C96.html

 
 

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