Inszenierung

Women in Trouble

Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Das Theater von Susanne Kennedy ist, milde formuliert, eine Herausforderung. Geschichten mit emotionalen Andock-Möglichkeiten, mitreißende Schauspieler-Leistungen, überhaupt Dialoge, all das verweigert sie einem erwartungsmäßig traditionell gestimmten Publikum. Stattdessen setzt die Regisseurin ihren Darstellerinnen und Darstellern gern Masken auf, verordnet ihnen einen abgezirkelten Bewegungsrahmen und lässt sie zu Playback agieren, statt dass sie mit eigener Stimme sprechen dürften. Kennedys Inszenierungen haben sehr viel mehr mit Kunst-Installationen als mit Schauspiel im herkömmlichen Sinne zu tun. Und das ist als bewusster Angriff auf ein Einfühlungs-Theater zu verstehen, an das die vielfach gefeierte Künstlerin nicht glaubt.

Nach Arbeiten wie „Fegefeuer in Ingolstadt“ oder „Warum läuft Herr R. Amok?“, mit denen Kennedy jeweils zum Theatertreffen eingeladen war, löst sie sich für „Women in Trouble“ nun weitgehend auch von jeder Vorlage. Das Stück, mit dem sie als Regisseurin an der noch immer umstrittenen Volksbühne von Chris Dercon antritt, ist aus Blogs, Seifenopern, Lebenshilfebüchern und Filmzitaten (unter anderem „Opening Night“ von John Cassavetes) zusammengemixt. Das Setting, gebaut von Lena Newton, zeigt eine grellbunte Plastikwelt mit Kernspintomograf, durch die sich die Heldin mit dem klingenden Namen Angela Dreem bewegt. Die ist an Krebs erkrankt. Außerdem spielt sie eine Krebskranke in der titelgebenden Soap „Women in Trouble“. Das nennt man dann wohl Reality-TV. Es treten eine Reihe von Angela-Dreem-Avataren im gleichen Jeans- und T-Shirt-Look auf, die Identitäten verwischen, die Playback-Spur pustet esoterische Wohlfühl-Phrasen in den Raum. Das ist – mit zweieinhalb Stunden ohne Pause – eine sehr anstrengende Angelegenheit. Wenn man sich allerdings auf sie einlässt, entwickelt Kennedys deutungsoffene, mit Selbstoptimierungswahn ebenso wie mit feministischem Überbau spielende Inszenierung einen ungeheuren Sog. Gerade in ihrer ironiefreien, radikalen Künstlichkeit. Die Frau meint es ernst mit ihrer Absage ans Theater.

Patrick Wildermann

 

 

 
 

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