Inszenierung

Roma Armee

Maxim Gorki Theater

An der Wand prangt in leuchtenden Lettern „Gypsyland“, auf der Bühne wird mit Verve Zarah Leander gesungen: „Von der Puszta will ich träumen, bei Zigeuner-Musik“. Ein Fall von klischeeverhangener Folklore, ausgerechnet im Gorki Theater? Natürlich nicht. Sondern „Roma Armee“, die neue Inszenierung der israelischen Hausregisseurin Yael Ronen, die sich wie keine zweite darauf versteht, Stereotype, Vorurteile und Zuschreibungen so lustvoll zu überdrehen, dass sie in entkrampfender Ironie implodieren. Zumal die aus ganz Europa zusammengekommenen Roma und Romnija, die bei Ronen eingangs in Laufstegmanier und im prächtig queeren Lack- und Leder-Outfit über die Bühne (Heike Schuppelius) paradieren, sowieso in keine Schublade passen. Lindy Larsson stellt sie vor, als Aktivistinnen und Feministinnen, Veganerinnen und Allergikerinnen, als Sportskanonen oder Spiritualisten. Lesben oder Mütter. Orit Nahmias und Mehmet Ateşҫi komplettieren das Ensemble als angestammte Gorki-Kräfte und als „Gadje“, Nicht-Roma eben. Lustig, wenn Ateşҫi beklagt, dass er als türkischstämmiger Schwuler eigentlich zu Mainstream für die Produktion sei. Freilich, Ronen wäre nicht Ronen, wenn sie von einer seit Jahrhunderten ausgegrenzten, verfolgten Minderheit nur auf der Spaßebene erzählen würde. Mihaela Dragan berichtet von ihrer Schwester, die in Rumänien Opfer einer rechtsextremen Kampagne zur Sterilisation wurde. Die Britin Riah May Knight trägt eine Liste mit erschütternden Zahlen und Fakten zu Gewalt gegen Roma vor, die ihre Mutter ihr mitgegeben hat – für die seltene Chance, dass Roma mal eigenmächtig ihre Stimme auf der Bühne erheben dürfen. Aber bevor die große Betroffenheit ausgreifen kann, wird auch diese biografisch grundierte Leiderfahrung wieder ironisch gebrochen. Schließlich steht der Abend – zu dem die furios rappenden Wiener Schwestern Sandra und Simonida Selimović die Idee hatten – ganz im Zeichen des Empowerments. Sie wünsche sich, dass Roma und Romnija als Freigeister gesehen würden, sagt Sandra Selimović einmal. Und genau das löst Yael Ronens Inszenierung ein. Patrick Wildermann

Wir haben die Karten: www.tg-berlin.de/nc/tickets/ticketauswahl/insz/5000C3D1-9960-E711-80E1-001C42C40C96.html

 
 

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