Inszenierung

Der Mensch erscheint im Holozän

Deutsches Theater Berlin

In der Natur lässt sich ja alles kategorisieren, wenn man nur will. Herr Geiser unterscheidet zum Beispiel beim Gewitter sehr genau zwischen „Polter-Donner“, „Knall-Donner“ und „Pauken-Donner“. Was dieses Wissen nützt? Gar nichts. Es erzeugt nur die Illusion von Beherrschbarkeit. Herr Geiser, ein 73-jähriger Rentner, der einsam in der Abgeschiedenheit seines Tessiner Bergdorfes lebt, ist der Protagonist aus Max Frischs Erzählung „Der Mensch erscheint im Holozän“. Während eines Unwetters, das womöglich den nahen Berg ins Rutschen bringen und eine Katastrophe beschwören könnte, beginnt dieser ferne Verwandte von Becketts Krapp, akribisch lexikalische Informationen über Wetter, Welt- und Erdgeschichte zu sammeln. Wobei Geiser gewärtigen muss, dass ihm sein Gedächtnis zunehmend entgleitet. Er driftet ins Vergessen. Der junge Schweizer Regisseur Thom Luz – mit seiner Inszenierung „Der Atlas der abgelegenen Inseln“ 2015 zum Theatertreffen eingeladen – hat sich von diesem Spätwerk seines Landsmanns Frisch nun am Deutschen Theater zu einer poetisch-verschrobenen Etüde inspirieren lassen. Man merkt Luz den Marthaler-Schüler an. Aber er findet doch zu einer ganz eigenen Phantasie. Die ganz in weiß gehaltene Drehbühne (Wolfgang Menardi) ist pittoresk eingenebelt. Darauf stehen nur das Gerüst des Geiserschen Refugiums sowie eine Reihe von Klavieren, an denen sich eingangs Daniele Pintaudi und Leonhard Dering zum Beethoven-Duett begegnen. Schauspielerin Judith Hofmann gibt dazu eine Fremdenführerin, die in absurder Wiederholungsschleife eine Gruppe von Touristen durch das imaginäre, von Bach- und Bartók umwehte Tessiner Tal führt, über die erstaunlich geringe Zahl tödlicher Unfälle referiert und immer wieder bemerkenswerte Frisch-Sätze einwebt: „Ein Weg ist ein Weg auch in der Nacht“. Ulrich Matthes, der den Geiser spielt, verharrt hingegen lange Zeit schweigend auf seinem Stuhl, übernimmt dann aber mit ruhiger, mitreißender Kraft die Erzählung und skizziert einen Sonderling, dem das Leben entgleitet. Die Natur ist eben nicht zu greifen. Die menschliche schon gar nicht.  Patrick Wildermann

 
 

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