Inszenierung

Renaissance Theater

Nichts gegen Amateurtheater, bewahre. Aber natürlich steigert es die Qualitätserwartung nicht gerade, wenn zu Vorstellungsbeginn der Regisseur der „Evangelischen Ernst-Reuter-Platz Gemeinde Theatergruppe“ (kurz: EERPGT) vors Publikum tritt und nervös haspelnd die vorangegangenen Produktionen seiner Spielerschar ins Gedächtnis ruft, darunter: „Orpheus im Gemeindekeller“. Heute Abend steht nun „Mord auf Schloss Haversham“ auf dem Programm. Ein britischer Krimi aus den 20ern, der alles bietet, was das Genre verlangt: einen Salon mit Standuhr und Kamin, einen Toten, einen Inspektor und einen Gärtner. Statt eines braven Whodunit bringt die EERPGT allerdings eine Pannenserie von so apokalyptischen Ausmaßen auf die Bühne, dass es schon nach der ersten Szene kein Halten mehr gibt. Für Mensch und Mobiliar. „Mord auf Schloss Haversham“ (im Original: „The Play That Goes Wrong“) ist ein krachend komisches Theater-im-Theaterspiel, das von einem professionellen Ensemble verlangt, unter Aufbietung sämtlicher Slapstickkräfte komplette Dilettanten zu spielen. Wie Michael Frayns „Der nackte Wahnsinn“ auf Speed wirkt das – und hat den britischen Erfindern einen veritablen Welterfolg beschert. Regisseur Guntbert Warns bringt den Havarie-Hit nun ans Renaissance-Theater. Ebenfalls mit Erfolg, weil er das Timing-Talent fürs unaufhörliche Beschwören von Entgleisungen und Verwüstungen besitzt. Statt Requisiten-Whiskey gibt’s Brennspiritus, der Papierkorb geht in Flammen auf, der inszenierungszentrale Kaminsims fällt ab, die Trage reißt, mit der die Leiche des verstorbenen Charles Haversham abtransportiert werden soll. Und natürlich kommt es gleich mehrfach zum klassischen K.O. durch Türschlag. Klar, dass auch die Schauspieler dabei an die Schmerzgrenze gehen müssen. Was allen voran Klaus Christian Schreiber vorzüglich glückt, der mit herrlich verschwitzter Verzweiflung den Pfarrer und Regisseur der EERPGT spielt, der wiederum Inspektor Carter in „Mord auf Schloss Haversham“ gibt. Pleiten und Pannen, das beweist dieser Abend, sind einfach das Schönste im Theater. Patrick Wildermann

Wir haben die Karten: https://www.tg-berlin.de/nc/tickets/ticketauswahl/insz/005CACB7-716C-E711-80E3-001C42C40C96.html

 
 

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