Preis für den Parasiten

Mathias Raabe


Für die Mitglieder des Berliner Ensembles sieht das ganz wie eine Glückssträhne aus. Denn zum zweiten Mal in Folge konnte sich die Theatercrew des Hauses am Bertolt-Brecht-Platz über den Publikumspreis "Aufführung des Jahres" der Theatergemeinde Berlin freuen. Nach "Der zerbrochene Krug" in der Spielsaison 2008/09 ging diesmal das Friedrich-Schiller-Stück "Der Parasit oder Die Kunst sein Glück zu machen" als Sieger der Publikumsabstimmung unter den rund 13 000 Mitgliedern hervor. Schiller hatte das Stück 1803 - zwei Jahre vor seinem Tod - frei nach der Vorlage von Picard aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt. Und die Aufführung in der Regie von Philip Tiedemann wird vom Publikum regelmäßig begeistert gefeiert. Tiedemann hat das Lustspiel um Intrigen, Machtkämpfe und Korruption so inszeniert, dass seine Darsteller wie Marionetten aussehen. Der Schein regiert die Welt, und die Gerechtigkeit ist nur auf der Bühne - das ist das Motto des 200 Jahre alten Stückes. Und Theatergemeinde-Chefin Traute Grandke sah da durchaus Ähnlichkeiten zur heutigen Politik. "Die sind aber natürlich nur rein zufällig." Regisseur Tiedemann bedankte sich bei den Theaterfreunden mit dem Hinweis, dass er als Kind einmal Pfarrer werden wollte. "Dank Ihrer Hilfe kann ich nun doch noch vor einer Gemeinde stehen." (rb.)


Berliner Zeitung, 19.01.2011

 

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